von Manfred Schwegmann am 26. Oktober 2008 13:16 Uhr
EMSDETTEN Wenn 30 Dudelsäcke gleichzeitig loseiern, dazu die Drums mit ihrem metallischem Klang, dann sind die Schotten nicht weit. Knapp 800 Besucher wollten das in der Ems-Halle nicht verpassen.
Zwar hieß das Ganze am Samstagabend "Schottische Musikschau" - und die 90 Musiker oder Tänzer in ihren Kilts sahen auch aus, wie echte Schotten - tatsächlich in den Highlands geboren war von allen Akteuren aber nur Andrew Keane, Stabführer der Drums and Pipes aus dem (Hol)Land der Tulpen.
Einmalige Kulisse
Die Kulisse bildete ein zweigeschossiger (fast originalgetreuer) Nachbau eines Schlossesin Edinburgh: 25 Meter breit. Die Gesamtbühne nimmt eigentlich ganze 60 Meter in Anspruch. Zu breit für Ems-Hallen-Verhältnisse. Durch ein Burgtor kamen sie aus den Katakomben in die Halle einmarschiert: Tänzer und Musiker. Aus dem oberen Gemäuer drohte allgegenwärtig ein Fallgitter, die "Schotten dicht" zu machen.
800 Zuschauer mehr, und die Arena wäre wirklich voll gewesen. So blieb das keltische Programm - eine gelungene Mixtur aus Musik, Tanz, Gesang und Information zur Historie der "grünen Insel" - den Zuschauern vorbehalten, die eine imposante Show erleben durften.
Spätestens als es im zweiten Teil rockig wurde, saß kein Zuhörer mehr auf seinem Platz. Beim "Highland Cathedral", der heimlichen schottischen Nationalhymne, waren alle froh, in den Rängen Platz zu haben, um sich auszubreiten, denn die Gänsehaut des Platznachbarn rückte bedrohlich nah heran.
Ein abwechslungsreiches Programm begeisterte, minutiös geplant und umgesetzt, perfekt und mit dem nötigen Blick für's Detail. Ein imposanter Klangkörper eroberte das Rondell, verstärkt durch die Ems-Highländer, den "Emsdettener Schotten".
"Das Publikum hier heute Abend ist viel euphorischer als bei uns in Holland", wurde schon zu Begin das Vorurteil des sturen Westfalen ausgeräumt.
Insgesamt ein Koloss mit 120 Amateuren hinterließ einen durch und durch professionellen Eindruck. Die vielen ehrenamtlichen Helfer, die sich noch in der Nacht Richtung Heimat bewegten, teilweise in der Ems-Halle übernachteten, um Sonntag die selbstkontruierte Bühne in die zwei bereitstehenden Sattelschlepper zu verstauen, hatten einen unvergesslicher Abend geboten.
Phänomenal
Mitorganisator Johan van Doesburg resümierte: "Der schönste Dank an einen Künstler ist der Applaus, - und der war hier phänomenal!" Richtig, denn es war ja auch eine phänomenale Show!