MT präsentierte "Musikschau Schottland" in der Kampa-Halle / Melancholie, Staunen und stehende Ovationen
Minden (ic). Schottische Dudelsäcke, irischer Stepptanz, hervorragende Stimmen - rund 1 400 Zuschauer ließen sich am Samstagabend von der "Musikschau Schottland", die vom MT in der Kampa-Halle präsentiert wurde, verzaubern.
Die Zuschauer belohnten die über dreistündige Show aus Holland mit tosendem Applaus und stehenden Ovationen. Etwa hundert nebenberufliche Akteure rund um den niederländischen Musikverein "Highland Valley Pipes and Drums" entführten das Mindener Publikum abwechslungsreich, informativ, stimmungsvoll und mit viel Herz in die geheimnisvolle Welt keltischer Kultur.
Überraschend gespenstisch bereits das Intro vor der gewaltigen Kulisse der Burg "Valley Castle". Nebelschwaden wabern, während in dunkle Kutten gehüllte Gestalten, die flackernde Lichter vor sich hertragen, mit beschwörendem Gesang aus dem Dunkel des Burgtores treten. Plötzlich Blitz und Donner, hell erleuchtet erstrahlt die Burg in vollem Glanz, und die Dudelsackspieler marschieren ein.
Viele Volkstänze und blitzschnelle Schritte
Von nun an geht es Schlag auf Schlag. Nicht nur die Tanzgruppe "Celtic Stepfire" erntet viel Beifall für ihre anmutigen Volkstänze und die blitzschnellen Schrittfolgen, die höchste Konzentration erfordern, sondern auch die beiden Sängerinnen berühren das Mindener Publikum mit melancholischen Balladen. "Amazing Grace", geschrieben 1772 von dem ehemaligen Sklavenhändler John Newton, der sich Gott zuwandte, als sein Schiff im Sturm unterzugehen drohte und der Pfarrer wurde. Ergreifend ebenfalls der Titel "Dark Island", gespielt auf der "Smallpipe", einer kleineren Form des Dudelsacks.
Ihn erfanden die Schotten 1746, nachdem Schottland Teil des britischen Reichs wurde und man neben "unmännlichen" Kilts auch große laute Dudelsäcke verbot. Als Gebet für den Frieden sorgt das feierlich unter Trommelwirbel vorgetragene Lied "Millennium Prayer" für Gänsehaut bei den Zuschauern, und der Titel "Auld Lang Syne" über vergangene Zeiten, der zu Silvester und beim Abschied gesungen wird, gehört zu den Melodien, die die Welt eroberten.
Zwischendurch sind es immer wieder die Mitglieder der Tanzgruppe "Celtic Stepfire", die das Publikum mit ihrem natürlichen unaufdringlichen Charme mitreißen und beim temporeichen "Sworddance" zum Titel "A hundred Pipers", bei dem die Füße die auf dem Boden liegenden Schwerter nicht berühren dürfen, für Hochspannung sorgen.
Bei diesen Tänzerinnen aller Altersgruppen, Kinder und Erwachsene, sind Magermodelmaße zum Glück nicht gefragt, sondern sie überzeugen - ebenso wie alle Beteiligten - viel mehr durch spürbare Freude und Begeisterung an dem, was sie tun.
Die Highlights im zweiten Teil der Show: Abschied und Widerstand als Teil getanzter irischer Geschichte, um Liebe, Leben und Tod geht es in dem Titel "When the Pipers play", und beim großen "Drum Salute" zeigen die Trommler sogar kleine Kunststücke, drehen mit ihren Stöcken Figuren und benutzen sie blitzschnell nahezu gleichzeitig von der vorderen und der hinteren Seite. Szenenapplaus.
Selbst die Kombination zwischen traditionellem Dudelsack-Spiel und moderner Rockmusik gelingt bei dem Queen-Klassiker "We will rock you", als zwei Gitarristen mit ihren E-Gitarren voll aufdrehen, bevor sich das gesamte Ensemble mit der Nummer "Highland Cathedral" verabschiedet.
Als Zugabe folgt ein Knalleffekt. Drei ohrenbetäubende Kanonenschüsse böllern beim großen Finale zu "Conquest of Paradise" los und lassen den begeisterten Mindenern diesen überraschend schönen Abend noch lange in den Ohren klingen.
Besucher loben Vielseitigkeit
Eckhard Bertrand (68) aus Minden und seine französische Ehefrau Marie-Ange (53) sprechen aus, was alle denken. "Ich liebe schottische Musik und sehe gern irische Tänze, denn ich habe selbst zwei Jahre in England gelebt und früher klassisch getanzt", sagt Marie-Ange, die ihren Mann 1971 mit 14 in Paris kennenlernte, und Eckhard Bertrand fügt hinzu: "Meine Familie stammt aus Frankreich und Schottland, und auch ich hörte schottische Musik schon als Kind gern. Diese Show sehen wir zum ersten Mal, und sie gefällt uns sehr gut, weil sie vielseitig, harmonisch und sympathisch ist. Die Akteure strahlen viel Wärme aus, wirken sympathisch, menschlich und nicht dressiert, sondern sie sind mit ihren Herzen dabei."
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Dokument erstellt am 27.09.2009 um 21:25:12 Uhr